3IN1

Abendfüllende Produktion

 

Es handelt sich um 3 Tanzstücke von mir in Zusammenarbeit mit der argentinierin Patricia Rotondaro. Im Stück „Green“ ist eine bunte Welt, die mit ihrem Humor und ihrer Ironie einlädt, neu zu definieren, was man sieht und glaubt. Das zweite Stück „Staub der Polarlichter“ ist dem Naturphänomen Polarlichter gewidmet. Einer der schönsten Erscheinungen auf dieser Welt. Das letzte Stück „Callomania“ wird das Schönheitsideal aus Fernsehen, Zeitschriften und Werbungen hinterfragt.

 

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Premiére:

30. Sept. / 01. Oktober 2014   

Grabenhalle St.Gallen
4. Oktober                                

Tanzwerkstatt St.Margrethen

 

Kommentar Appenzeller Volksfreund

 

Ironie, Schönheit, Humor – alles getanzt

Tanzperformance 3 IN 1 in der Kunsthalle Ziegelhütte in Appenzell

 

Kann man der Schönheit des Polarlichtes tanzend Ausdruck verleihen? Und kann man den Schönheitswahn mittels Tanz ironisch auf die Schippe nehmen? Man kann – die Tanzgruppe 3 IN 1 aus St. Margrethen hat es an einer Matinée am Sonntag in der Kunsthalle Ziegelhütte in Appenzell bewiesen. Und ist damit auf ein beachtliches Echo gestos­sen: das Publikum war recht zahlreich und der Applaus kam von Herzen.


Wie ein Bodybuilder steht er auf der Bühne, der schwarze Tänzer. Musikalisch unterlegt tut er seinem muskulösen Körper mit gezielten Turnübungen viel Gutes. Und betrachtet zwischendurch den Waschbrettbauch, belächelt seinen Bizeps und greift sich vergnügt an den Hintern: schön straff das Ganze. Ein Schönling, denkt sich das Publikum, einer der sein Selbstwertgefühl durch Äusserlichkeiten aufmöbelt, vermutlich hat er es nötig. Aber nur kein Neid, die Athletenfigur ist wirklich beeindruckend, sie ist schön. 

Will ich das? Ja oder Nein? 
Eine Tänzerin in volkstümlicher Tracht betritt die Bühne, sieht den Athleten und will es ihm gleichtun. Aber auch wenn die Musik inzwischen ländliche Töne angenommen hat, hilft ihr das nicht weiter. Sie turnt ungeschickt, die Eleganz liegt im Misslingen. Während er lässig den Kopfstand macht, strampelt sie hilflos mit den Beinen. Doch da erscheint eine dritte Person, lässig mit Hüftschwung, eine Art Pop–Queen, der letzten Loveparade entsprungen. Der Rock ist kurz und die Musik kommt jetzt modern und jugendlich daher. Während der Schönling im Buddhasitz die Welt Welt sein lässt, drillen sich die beiden unermüdlich. Die Ironie der Szene wird handgreiflich: stolz wird die jugendliche Brust präsentiert, Frau zeigt was sie hat. Doch bald schon beginnt das grosse Keuchen, Geschrei setzt ein. Die junge Diso–Queen nimmt die Perücke ab und entfernt ihre Pölsterchen unter dem BH, was die Trachtenfrau nutzt, um ihre eigenen Formen besser zur Geltung zu bringen. Auf dem Monitor im Hintergrund erscheinen Werbebilder, Sehnsuchtsbilder. «Schön», gluckst es vor Vergnügen. Knallrote Lippen, die langsam übergehen in einen botoxverunstalteten Schmollmund. Und silikonvergrösserte Busen nehmen beängstigende Formen an. «Will ich das? Ja oder Nein? Ich machs!» 

Puppen auf dem Schönheitskarussell 
Die beiden Tänzerinnen erscheinen in schwarzem Kleidchen, sie verbeugen sich und legen sich auf den Boden. Und der schwarze Bodybuilder, jetzt in weissem Anzug, tanzt zeitgemäss das Lied vom grossen Geld, im Hintergrund schweben auf dem Monitor Scheine durch die Luft. Der Meister der Schönheit bewegt die Frauen in ihrem Schönheitswahn wie Marionetten an Fäden. Grosses Gelächter ertönt, dazu ein etwas blöd wirkendes Lächeln. Von der Matte verdeckt erscheinen die Frauen wie Körper ohne Köpfe. Sie drehen sich um die eigene Achse: Puppen auf dem Karussell (der Schönheitsindustrie). 

Vermarktete Sehnsüchte 
Den Schluss aber – wenn man das Ganze wirklich so interpretieren kann (oder darf) – wirkt wie eine versöhnliche Mahnung, eine Moral der Geschichte. Die drei Tanzenden betrachten sich, betrachten ihren Körper. Musik ertönt: «You are so beautiful!» Und plötzlich tanzen sie miteinander voller Lust an der Bewegung, am eigenen Körper – ohne Botox, Muskeldrill und Silikon. «Callomania» – so nennt sich das getanzte Stück – ist eine Attacke gegen Werbung, gezüchtete Schönheit und den Kult der Selbstanbetung. Das rein Äusserliche vermag nicht zu genügen, zumal wenn es dabei in Zeiten des entfesselten Kapitalismus vor allem um das gewinnbringende Vermarkten menschlicher Sehnsüchte geht. Das Stück plädiert für spritzenlose Schönheit, sexy sein – einfach so! Idee und Choreografie stammen von Kjerstin Sandsto, sie tanzt auch selber zusammen mit Patricia Rotandaro und Reinier Matthiew Powell. 

Sicht auf die Welt 
Tanzend eine Geschichte erzählen. Nebst «Callomania hat die Tanzgruppe auch noch «Green» und «Staub der Polarlichter» aufgeführt. Green könnte man als Tanz–Sprechstück bezeichnen. Yannick Badier kommentiert, was Patricia Totondardo tanzt. Sie zeigen das gros­se Staunen über Dinge, auf der Bühne entsteht eine bunte Welt, die mit Humor und Ironie einlädt, «neu zu definieren, was wir sehen und glauben» (wie es in der Vorschau heisst). Am Schluss hängen die Dinge an einer Wäscheleine, neu geordnet – bis hin zum Oberkleid der Tänzerin. 

Schönheit in Bewegung umgesetzt 
Das Polarlicht ist schön. Auch wenn man heute weiss, wie es entsteht. Und damit der Reiz des Unbekannten verflogen ist. Das Stück «Staub der Polarlichter» ist ein Wechselspiel zwischen dem Polarlicht–Video im Hintergrund und der musikalischen Umsetzung durch zwei Tänzerinnen. Ebenso vielfältig wie das Polarlicht optisch daher kommt, ist die Interpretation dieser faszinierenden Bilder in Form musikalisch dirigierter Bewegung: mal sanft, fast zärtlich, dann wieder sich steigernd bis ins Stürmische, Sprünge lösen Ruhephasen ab. Und umgekehrt. Es macht wohl keinen Sinn, zu viel in die einzelnen Elemente hineinzulesen, die Darbietung zeigt einfach: So schön wie das Polarlicht ist, so schön ist auch der Tanz. Und damit das Leben, weil es Polarlicht, Tanz (und noch viel anderes) gibt.

 

GREEN

Idee / Konzept: Patricia Rotondaro
Performer: Yannick Badier und Patricia Rotondaro
Text: Patricia Rotondaro
Lichtdesign: Emilio Diaz Abregú
Photo: Tae Peter

STAUB DER POLARLICHTER

Choreografie: Kjersti Sandstø
Tanz: Patricia Rotondaro und Kjersti Sandstø
Video: Raoul Alain Nagel
Musik: Bugge Wesseltoft

CALLOMANIA

Choreografie: Kjersti Sandstø in Zusammenarbeit mit Tänzern
Idee / Konzept: Kjersti Sandstø
Tänzer / innen: Patricia Rotondaro, Reinier Matthew Powell, Kjersti Sandstø
Video: Zeno Georgius
Musik: Sound Collage / Raoul Alain Nagel